Zehn gute Gründe gegen Windows 8

Windows 8 - Die Nachteile überwiegen (Bild: Microsoft)

Windows 8 ist nun etwas mehr als einen Monat auf dem Markt. Und wenn man sich die von Microsoft veröffentlichten Verkaufszahlen genauer anschaut kann man guten Gewissens sagen: Windows 8 ist totaler Flop, da haben auch Kampfpreise wie die derzeitigen 30 Euro für ein Betriebssystemupdate auf Windows 8 Pro nicht wirklich geholfen. Die vierzig Millionen verkauften Lizenzen die Microsoft als Erfolg feiert sind ein Armutzeugnis wenn man bedenkt, dass es weltweit Milliarden Computer und einige wenige handverlesene Smarkphones und Tablets gibt die mit Windows-Betriebssystemen arbeiten. Ich habe Windows 8 in virtuellen Maschinen, auf physikalischen Testsystemen und in einem Anflug geistiger Umnachtung auch einen Monat lang produktiv eingesetzt, bevor ich zu guter Letzt dann reumütig wieder ein Windows 7 installiert habe. Bei diesen Tests haben sich eine Reihe von Gründen herausgestellt, die allesamt gegen einen Einsatz von Windows 8 sprechen:

1. Die Metro-Oberfläche ist konzeptioneller Murks

Die neue Metro-Oberfläche die man laut Microsoft nicht mehr Metro nennen darf ist völliger Quark, wenn man Windows 8 auf einem normalen Desktop-Computer einsetzt. Auf einem Smartphone mag es sinnvoll sein, wenn immer nur eine Anwendung im Vollbildmodus läuft, bei einem Desktop-PC ist dieses Verhalten völliger Nonsens. Wenn Sie beispielsweise eine 
App öffnen um Musik zu hören und dann beispielsweise zu einer News-App wechseln, dann schickt Windows 8 die Musik-App schlafen, d.h. Sie können in der Metro-GUI nicht Musik hören und gleichzeitig News lesen. Das ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt in die Computer-Steinzeit. Als normaler Anwender mit einem Desktop-Computer bringt Metro keinerlei Vorteile, wohl aber eine Menge Nachteile mit sich. Anderslautenden Gerüchten zum Trotz kann man Metro weder abschalten noch deaktivieren, da inzwischen auf viele Systemfunktionen fest in Metro eingebettet sind. Da helfen auch keine Zusatztools, wer mit Windows 8 arbeitet, muss sich wohl oder übel mit Metro auseinandersetzen. Und was auf dem Smartphone oder auf dem Tablet eine feine Sache ist, ist auf dem Deskop einfach nur lästig.

2. Multiboot mit Windows 8 kann zu Dateiverlusten führen

Bei Windows 8 hat Microsoft sehr tief in die Trickkiste gegriffen, um dem Anwender einen schnellen Systemstart vorzugaukeln. Der Anwender kann das System auch über den Ausschaltknopf nicht mehr komplett herunterfahren. Das ist schön, weil auch ein vermeintlich ausgeschalteter PC dann recht schnell startet. Der Nachteil ist jedoch, dass man speziell bei Multiboot-Konfigurationen recht häufig Fehlermeldungen wegen Dateisystemfehlern bekommt. Das war bei mir bei einem Dualboot-System Windows 7 & Windows 8 ein reproduzierbares Problem, das letztendlich leider auch zu Dateiverlusten führte. ES gibt im Netz verschiedene Anleitungen we man das Betriebssystem überlisten und manuell einen kompletten Shutdown durchführen kann. Ich haben verschiedene Tipps durchprobiert, das Problem mit den Dateisystemfehlern blieb trotzdem bestehen. Multi-Bootsystem die beispielsweise mit Vista und Windows 7 unkompliziert waren, können bei Windows 8 also unter Umständen zu ernsthaften Problemen führen.

3. Für mehrere Monitore ist Windows 8 eher ungeeignet

Windows 8 ist im Metromodus für mehrer Monitore tendenziell recht nutzlos. Wer zwei Monitore hat, kann immer nur auf einem eine App im Vollbildmodus betreiben. Der zweit Monitor kann allenfalls noch für Desktopanwendungen genutzt werden. Wer im Desktop-Modus bleibt, kann sich über neue Goodies wie eine verbesserte Funktion der Taskleiste freuen. Die kann nämlich seit Windows 8 auf zwei Monitoren gleichzeitig angezeigt werden. Im Praxistest liefen Multimonitorsysteme unter Windows 8 aber instabiler als unter dem Vorgänger Windows 7. Es scheint, als hätte Windows selbst gelegentlich seine Problem bei der permanenten Grätsche zwischen Deskop- und Metromodus. Obendrein ist die Navigation zwischen den Anwendungen von Metromodus und Desktopmodus mit mehreren Monitoren noch unübersichtlicher als bei einem Monitor. Wer ein stabiles Multimonitorsystem braucht, sollte definitiv bei Windows 7 bleiben.

4. Kompatiblitätsprobleme mit bestehenden Anwendungen

Generell ist die Kompatibilität von Windows 8 zu vorhandener Hardware und Software recht gut, aber nicht jedes Programm das unter Windows 7 ordentlich lief, startet auch unter Windows 8. Da Windows 8 vermutlich keine allzulange Lebensdauer haben wird - siehe Fazit - ist die Motivation für die Entwickler auch eher überschaubar, alles für Windows 8 passend zu stricken.  

5. Für Gelegenheitsanwender ist Windows 8 kaum bedienbar

Wer sich in seinem Windows gut auskennt, kann auch mit Windows 8 nach kurzer Eingewöhnungszeit umgehen. Es ist zwar durch die zerklüftete Benutzerführung schwieriger als bei Windows 7, aber versierter Anwender kommt man damit nach einiger Zeit durchaus klar. Wer nicht so tief drin ist in der Technik, wie beispielsweise gelegentliche Anwender oder Neueinsteiger, dürfte allerdings so seine Problem haben, sich in dem Labyrinth von Auswahlmöglichkeiten zurechtzufinden. Wenn man einen Computer für die Schwiegermutter braucht ist also nach wie vor ein Mac das Mittel der Wahl. 

6. Touchscreens sind eklig

Die GUI von Windows 8 funktiert nur mit einem Touchscreen zufriedenstellend. Touchscreens sind im normalen Deskop-Einsatz allerdings komplett nutzlos, zumal der Trend hier ja auch zu großen Monitoren wie 24- oder 30-Zöllern geht. Wer seinen Computer liebt, wird jedem der es wagt auf dem Bildschirm herumzupatschen sofort und ohne Vorwarnung eins auf die Finger geben. Daß Microsoft mit Windows 8 diese Patscherei noch fördert ist eigentlich nicht zu tolerieren. Kleine dicke Kinder die ihre Chipsfinger am neuesten iPhone abwischen: ok. Aber auf dem Heimcomputer ist diese Patscherei wenig sinnvoll. 

7. Das fehlende Startmenü

Das Startmenü gab es schon seit Jahrzehnten und mit Windows 8 ist es nun leider gestrichen worden. Im Gegensatz zum neuen Startbildschirm ermöglichte das Startmenü einen zentralen, übersichtlichen Zugriff auf Inhalte und Programmverknüpfungen. In punkto Usability ist der Startbildschirm noch nicht ganz ausgereift, immerhin kann man mit Zusatztools das Startmenü in Windows 8 wiederbeleben.

8. Es gibt keine Apps für Poweruser

Die Anwendungen für die neue Metro-Oberfläche bezieht man bei Windows 8 aus dem hauseigenen App-Store. Aktuell hapert es hier nicht nur an der Vielfalt, sondern auch an der Qualität der Apps. Wer sich als Poweruser unter Windows an Programme wie Photoshop, Filezilla oder den Free Download Manager gewöhnt hat, wird im App-Store keine gleichwertigen Ersatz finden. 

9. Windows RT ist kein vollwertiges Windows 8

Der Grundgedanke hinter Windows 8 war ja eine Plattformstrategie. Man wollte vom Tablet über den Desktop bis hin zum Server das gleiche Betriebssystem anbieten. Leider hat das nicht so recht geklappt, denn wer Windows 8 als RT Version auf dem Tablet ausführt, kann hier keine Desktopprogramme ausführen. Windows RT ist somit nur optisch ein Windows 8, die Funktionalität der Desktopvariante hat es leider nicht.

10. Selbst der Chefentwickler von Windows 8 ist schon geflüchtet

Die Windows-Gemeinde hat dem ehemaligen Chefentwickler Steven Sinofsky eine Menge zu verdanken. Der gute Mann war bei Microsoft sowohl für Windows 7 als auch für Windows 8 verantwortlich. In der Vergangenheit hatte er auch ein gutes Händchen.  Immerhin hat er die völlig zugewucherte GUI von Windows Vista wieder soweit hingebogen, dass daraus das recht benutzerfreundliche und allgemein akzeptierte Windows 7 wurde. Bei Windows 8 war der gute Steven allerdings offensichtlich von alle guten Geistern verlassen. Knapp eine Woche nach dem offiziellen Relase von Windows 8 hat er die Segel gestrichen und arbeitet inzwischen nicht mehr bei Microsoft. Ob er gefeuert wurde oder wie von Microsoft kolportiert freiwillig gegangen ist, ist unklar. Sicher ist eines: Wenn der Chefentwickler so zeitnah nach dem Release das Unternehmen verläßt, liegt einiges mit dem Produkt im Argen.

Fazit: Zum Spielen ist Windows 8 in Ordnung, zum Arbeiten untauglich

Alles in allem hat Windows 8 aber natürlich auch einige Vorzüge. Die gefühlte Reaktionszeit ist schneller als bei Windows 7 und das Abschießen hängengebliebener Tasks passiert nun so flott wie man es bis dato nur von Mac OS X kannte. In der Summer seiner Eigenschaften ist Windows 8 für produktives Arbeiten aber untauglich. Eine interessante Spielwiese für Technikinteressierte ist es allemal. Ein normalbegabter Anwender wird ohnehin mit Windows 8 nicht allzuweit kommen. Abhilfe ist in Sicht: Für 2013 hat Microsoft einen Nachfolger der derzeit noch unter dem Codenamen Blue firmiert angekündigt. Man hört, es seien mit dem kommenden Windows 9 grundlegende Änderungen am vielgescholtenen GUI geplant... 

(Sascha Steinhoff, 2012-12-05)

 
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