Selber Scannen oder Scanservice beauftragen?

Um analoge Vorlagen fachgerecht zu digitalisieren, braucht man generell einen leistungsfähigen Scanner, eine gute und sorgfältig eingerichteten Scansoftware und eben auch die Manpower um Scanner und Software zu bedienen. Der vollautomatisierte Workflow ist bis dato nämlich eher ein Wunschtraum als Realität, in der Praxis muß man immer mal wieder Hand an legen. Anhand dieser Kriterien läßt sich recht gut festlegen, wann es sich lohnt das Scannen an einen Dienstleister auszulagern und wann man besser selbst tätig wird.

1. Leistungsfähige Scanhardware

Ein guter Scanner muß prinzipiell zwei Voraussetzungen erfüllen. Der wichtigste Faktor ist die Abbildungsqualität, aber auch die Arbeitsgeschwindigkeit ist ein wichtiger Faktor. Bei der Abbildungsqualität hängt es vor allem an der Vorlage, denn die verschiedenen Vorlagentypen unterscheiden sich hier deutlich. 

Einfache Papierdokumente sind beispielsweise sehr unkompliziert zu handhaben. Hier reicht ein günstiger Flachbettscanner um gute Scanergebnisse zu erzielen. Bessere Scanner, wie beispielsweise die Modelle von Canon arbeiten zudem recht fix. Somit kann man bei unkomplizierten Vorlagen wie Papierdokumenten mit geringem Aufwand gute Scans in recht geringer Zeit herstellen. Wenn man sehr große Mengen an Papierdokumenten digitalisieren möchte, braucht man allerdings Spezialscanner mit automatischem Blatteinzug. Auch diese sind aber nicht allzu teuer. Bei unkritischen Vorlagen wie Papierdokumenten ist die Scanhardware also nicht das Problem, egal ob man selbst scannt oder diese Arbeit an den Dienstleister übergibt. 

Bei kleinen Vorlagen mit hoher Informationsdichte wie beispielsweise Kleinbild-Dias sieht die Sache schon ganz anders aus. Nur die wenigsten Scanner sind in der Lage, die Bildinformationen der Vorlage auch nur annähernd beim Scan einzulesen. Ideal sind Trommelscanner, aufgrund der komplizierten Handhabung, der langsamen Arbeitsgeschwindigkeit und der hohen Kosten kommt diese Technologie jedoch eher für Nischenanwendungen in Betracht. Die zweitbeste Option sind hochwertige (!) und schnelle Filmscanner. Die derzeit erhältlichen und für Amateure erschwinglichen Filmscanner (Preis: maximal 2000 Euro) haben nicht nur in der Abbildungsqualität Schwächen, mit der Scangeschwindigkeit sieht es auch nicht so rosig aus. Insofern wird man als normaler Fotoamateur heute so seine Probleme haben sich für das Digitalisieren von Kleinbild-Dias wirklich gute Hardware zu verschaffen. 

Egal ob man selbst scannt oder einen Dienstleister damit beauftragt: Ohne für den jeweiligen Vorlagentyp geeignete Scanner wird man auch mit allen Software und Bearbeitungstricks keine guten Scans erzielen können. Der Scanner selbst ist der Flaschenhals. 

Gerade bei Kleinbild-Dias sind die professionellen Scandienstleister in der Regel mit sehr viel besserer Hardware ausgestattet als die meisten Fotoamateure und daher zu bevorzugen.

2. Scansoftware richtig konfigurieren

Gute Scansoftware ist für alle gängigen Scanner erhältlich, der limitierende Faktor ist hier in der Regel nicht die Software selbst sondern der Benutzer. Man braucht für die Einrichtung der Software Fachkenntnis und muß auch im laufenden Betrieb mit einer gewissen Sorgfalt arbeiten, sonst kann man die Qualitätsreserven auch eines guten Scanners nicht ausnutzen. Neben der Fachkenntnis ist der Faktor Zeit hier ausschlaggebend. Beim Scandienstleister muß es schnell gehen, sonst wird kein Geld verdient. Wer privat für den Eigenbedarf scannt, kann sich etwas mehr Zeit für jeden Scan nehmen. 

3. Fazit: Selber scannen lohnt sich nur, wenn...

Das Fazit ist somit recht eindeutig. Wer auf Qualität Wert legt, sollte nur dann selbst scannen, wenn er auch geeignete Scanhardware für die jeweiligen Vorlagen zu Hause hat. Schlechte Hardware kann man durch nichts kompensieren. Bei der Scansoftware gibt es ein klares Unentschieden zwischen Dienstleister und Heimanwender. Wer bereit ist sich in die Materie einzuarbeiten, kann die Software ebenso gut konfigurieren und bedienen wie die Scanprofis. Man muss dann eben bereit sein, auch die entsprechende Zeit zu investieren. Bevor man einen größeren Scanauftrag vergibt, sollte man in jedem Fall einige Probescans an verschiedene Anbieter herausgeben. Nur dann erhält man einen realistischen Eindruck, welche Qualität von den jeweiligen Unternehmen zu erwarten ist. Auch die Scanprofis setzen teilweise auf Billigscanner, hier muß man schon etwas recherchieren, um die guten von den schlechten Anbietern zu trennen.

Wer große Mengen an Vorlagen zu digitalisieren hat, sollte in jedem Fall zum Dienstleister wechseln. Denn die Spezialisten haben sowohl die Manpower als auch den Maschinenpark, um Sammlungen mit 10.000 oder noch mehr Dias in angemessener Zeit zu Digitalisieren. Wenn man derartige Vorhaben als Privatperson angeht, sollte man sich einige Wochen oder gar Monate Zeit nehmen, das ist dann eher etwas für Pensionäre.

(Sascha Steinhoff)

 
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