Korrekte Einheit für die Scanauflösung: dpi, ppi, spi oder lpi?

Es gibt vier verschiedene Einheiten für die Auflösung: dpi, ppi, spi und lpi. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch definieren sie eindeutig, um welche Art der Auflösung es sich handelt. Es handelt sich in allen Fällen um relative Auflösungen, der Auflösungswert bezieht sich immer auf ein Zoll Bildfläche (z.B. 300 dpi). Die absolute Auflösung der Bilddatei (z.B. 2000 x 3000 Pixel) bleibt davon grundsätzlich unberührt. Man kann beispielsweise in Photoshop die Druckauflösung einer Bilddatei beliebig verändern, ohne daß sich das auf die absolute Größe der Bilddatei auswirkt.

spi - Einheit für die Scanauflösung

Mit spi (samples per inch) definiert man die Auflösung des Scanners, beziehungsweise die Auflösung mit der ein Bild gescannt wurde. Beim Scannen liest der Scanner Samples des Bildes aus. Je mehr Samples pro Zoll der Scanner aufnehmen kann, desto präziser und detailsreicher ist der Scan. Gängige Scanauflösungen für Kleinbildfilm (Dias und Negative) liegen zwischen 2000 und 4000 spi. Es hat sich eingebürgert, die Einheiten dpi und ppi für die Scanauflösung zu verwenden. Beides ist falsch und führt zu vermeidbaren Mißverständnissen. Immerhin ist es ja nicht unüblich, daß man beispielsweise einen Scan mit 4000 spi durchführt und diese Bilddatei dann in 300 dpi für die Druckausgabe umwandelt. Der spi-Wert bestimmt wie hoch die absolute Auflösung der Scandatei wird. Faustregel: Bei doppelter Scanauflösung steigt die Bildgröße im Quadrat. 

Beispiel Scan KB-Negativ: 
Der Scan eines Kleinnbilddias mit 24x36 mm erzeugt bei 2000 spi zu eine 1890x2835 Pixel Bilddatei (=5,4 Megapixel). Als 48 Bit TIFF ist die Datei 30 Megabyte groß. Wenn man die Scanauflösung auf 4000 spi erhöht, bekommt man eine 120 Megabyte große Datei mit der absoluten Auflösung von 3780x5669 Pixeln (=21,4 Megapixel). 

ppi - Einheit für Monitor, Beamer und Display

Mit ppi (pixels per inch) definiert man die Anzahl der Pixel die in einem Monitor, Display oder Beamer angezeigt werden. Digitale Bilder setzten sich aus Pixeln, also einzelnen Bildpunkten zusammen. In der Literatur wird die Auflösung von Monitoren meist entweder mit 72 ppiangegeben. Mit der Realität hat dieser Wert wenig zu tun. Moderne Monitore liegen eher im Bereich 90-100 ppi, wenn der Trend zu hochaufgelösten Displays anhält, wird auch dieser Wert bald Makulatur sein. Das iPhone 4S hat beispielsweise schon eine Auflösung von 326 ppi, das ist deutlich höher als selbst bei guten Monitoren. Generell ist es nicht sinnvoll Scans für die Ausgabe per Monitor, Beamer oder Display zu optimieren. Diese Auflösungen variieren von Gerät zu Gerät zu stark, hier gibt es keine allgemein gültigen Standards. Im übrigen sind die Ausgabegeräte in aller Regel in der Lage Bildmaterial selbst entsprechend kleiner zu skalieren. Wichtig ist nur: Die absolute Größe der Bilddatei muß für die gewünschte Ausgabegröße auf dem jeweiligen Ausgabegerät ausreichend sein.

dpi und lpi - Einheiten für die Druckausgabe

Für die Druckausgabe gibt es mit dpi (dots per inch) und lpi (lines per inch) gleich zwei Einheiten. Der dpi-Wert zeigt an, wieviele Punkte pro Zoll ein Drucker drucken kann. Generell gibt man für den Fotodruck einen Wert von 300 dpi an, moderne Tintenstrahldrucker können aber auch höhere Auflösungen darstellen. Der lpi-Wert gibt hingegen an, wieviele Linien pro Zoll ein Drucker erzeugen kann. Dies ist für die Druckraster im Halbtonverfahren interessant. lpi ist also die Auflösung im Halbtonverfahren. Bei den Druckern die man als Amateur für Fotos verwendet, spielt der lpi-Wert keine Rolle, hier gibt man die Auflösung in dpi an. Das Optimieren von Bildern auf einen bestimmten dpi-Wert für die Druckausgabe ist beispielsweise für Layoutzwecke durchaus üblich. Man macht das um die Dateien etwas kleiner zu rechnen, erforderlich ist es aber nicht. Solange der für das Druckverfahren erforderliche minimale dpi-Wert nicht unterschritten wird, ist jede Bilddatei für den Druck geeignet, völlig ungeachtet ihres dpi-Wertes.

Einheiten in Scanprogrammen und Bildeditoren

Obschon die obigen Definitionen eindeutig und auch unstrittig sind, werden sie auch in professionellen Programmen häufig falsch angewendet. Diesbezüglich sind die Hersteller erstaunlich beratungsresistent. So wird beispielsweise die korrekte Einheit spi bei Scanprogrammen praktisch nie verwendet, stattdessen nimmt man ppi oder dpi. Auch wenn die Zahlenwerte identisch sind - alle Werte beziehen sich ja auf die gleiche Längeneinheit - ist dies dennoch irreführend. Insbesondere wenn die Scansoftware intern das gescannte Bild skaliert, kommt es durch die falsche Verwendung von Einheiten zu vermeidbaren Mißverständnissen. 

 
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