Woran erkennt man einen guten Dia-Scanservice?

Wer nicht selber seine Dias scannen möchte, kann einen spezialisierten Dienstleister mit dieser Aufgabe beauftragen. Die Preise und die Scanqualität können von  Anbieter zu Anbieter allerdings erheblich schwanken. Im Interview erläutert Sascha Steinhoff woran man einen guten Dienstleister für Diascans erkennen kann. 

ScanMagazin: Der Markt an Anbietern für Scandienstleistungen ist gerade in Deutschland sehr unübersichtlich. Es gibt hunderte Unternehmen, wie finde ich da den besten Anbieter um beispielsweise Dias digitalisieren zu lassen? 

Sascha Steinhoff: Das stimmt, da gibt’s wirklich viele Anbieter. Auf find-a-scanservice haben wir derzeit rund 500 Anbieter allein aus Deutschland gelistet die Diascans anbieten und es kommen immer wieder neue Unternehmen dazu. Weltweit sind es natürlich noch viel mehr, wir haben auf der Webseite nach heutigem Stand schon Scandienste aus 34 Ländern. Als Kunde kann man schon einige Dinge im Vorfeld abklopfen. Ganz wichtig ist hier herauszufinden, welche Scanhardware der Anbieter einsetzt. Der Scanner ist immer der limitierende Faktor in der Produktionskette. 

Welche Scannertypen sind denn bei Dienstleistern üblich und worin unterscheiden sich die?

Viele Unternehmen setzen ähnliches Gerät ein, wie Fotoamateure. Das sind CMOS-Scanner, Flachbettscanner und Filmscanner; vereinzelt digitalisieren Unternehmen auch mit DSLRs. Dias sind neben Mikrofilm die anspruchsvollste Scanvorlage die es gibt, das bewältigt nicht jeder Scanner. Die Diascans von CMOS-Scannern liefern mit Abstand die schlechteste Qualität, gute Flachbettscanner schaffen immerhin mittelmäßige Bildergebnisse und spezialisierte Filmscanner sind in dieser Liga die Spitzenreiter. Wobei es hier natürlich auch zwischen den Fabrikaten große Unterschiede gibt. Die brillantesten Scans erzeugen immer noch die alten Nikon Filmscanner, also die letzte Generation mit Coolscan 5000 und Coolscan 9000. Reflecta, Plustek und Braun nach dem Produktionsende von Nikon zwar kräftig an der Preisschraube fü ihre Filmscanner gedreht, aber qualitativ sind sie halt noch nicht auf Nikon-Level. Man sieht den Unterschied vor allem an den Farben, da kommt bisher nichts an Nikon heran. Die DSLRs haben derzeit noch ein bißchen Probleme beim Dynamikumfang, da sind die CMOS-Flächensensoren noch nicht so gut wie die CCD-Zeilensensoren der echten Scanner.  

Gibt es denn für die Scandienstleister keine spezialisierten Laborgeräte? 

Doch, die gibt es natürlich auch, die Kosten liegen dann im fünfstelligen Bereich. Das lohnt sich dann für den Privatmann nicht mehr. Das sind dann Laborscanner, Hasselblad-Scanner und Trommelscanner. Die Laborscanner kommen von Herstellern wie Fuji oder Noritsu. Qualitativ ist bei den Laborscannern vieles möglich, die Bandbreite reicht hier vom total vermatschten Minibild bis hin zum hochaufgelösten Bild in wirklich guter Qualität. Die Hasselblad-Scanner sind mehr etwas für Mittel- und Großformate, als Alternative zu Flachbettscannern schlagen sie sich gut. Bei Kleinbild-Dias sind sie nicht besser als Nikon-Filmscanner oder gute Laborscanner. Zudem fehlt Hasselblad eine automatisierte Staub- und Kratzerentfernung. Da muß man dann viel nachretuschieren. Die Königsklasse sind dann Trommelscanner. Die Scanner sind sündteuer und der Scan ist sehr arbeitsaufwendig, Staub- und Kratzerentfernung gibt es bei diesen Geräten auch nicht. Wer fünfzig Euro oder mehr pro Scan investieren kann und die Dias manuell nachretuschiert, bekommt bei den Trommelscans dann wirklich Spitzenqualität. 

Wie findet man heraus welche Scanhardware der Anbieter einsetzt? 

Einfach auf der Webseite nachgucken. Unternehmen die in gute Hardware investiert haben, legen das auch offen. Wenn die Webseite keine Informationen dazu bietet oder nur firmeneigenen Wundermethoden mit irgendwelchen Fantasienamen anpreist sollte man hellhörig werden. Meist verbirgt sich dahinter ganz einfach billige Hardware, die dann eben zu entsprechenden Scans führt. Ansonsten einfach mal das Unternehmen anrufen und nachfragen. Im übrigen kann man mit einem Metadateneditor in die Scandateien hineingucken wenn die schon vorliegen. Die meisten Scanprogramme schreiben den Namen des verwendeten Scanners in die Metadaten. Wenn die leer sind, ist das schon ungewöhnlich und sicher kein Gütesiegel. 

Welche weiteren Faktoren gibt’s noch zu beachten?

Das ist beim Scannen ein bißchen wie beim Fotografieren. Mit einer Billigkamera kann man keine Spitzenbilder schießen, aber die Profi-DSLR alleine bringt es eben auch nicht. Ein guter Scanner ist wichtig, aber das Scanprogramm muß auch sorgfältig konfiguriert werden. Farbkalibrierung ist für farbechte Scans zum Beispiel wichtig. Leider sparen hier viele Anbieter, das ist eher die Ausnahme, dass ein Unternehmen seinen Scanner vernünftig kalibriert. Außerdem müssen Scanner regelmäßig gewartet werden. Wenn sich im Laufe der Zeit Staub im Scanner ansammelt, werden die Scans auch bei Top-Hardware flau. Auch die Tagesform des Scanoperators spielt eine Rolle. Scannen läßt sich zum heutige Zeitpunkt noch nicht zufriedenstellend automatisieren, da muß man schon sorgfältig arbeiten. 

Wie kann ich denn feststellen wie es um die Qualität der Scans bestellt ist?

Wenn man Scans reklamiert, beispielsweise wegen Unschärfe oder schlechter Farben verweisen die Scandienstleister gerne auf die mangelnde Qualität der Vorlagendias. Und tatsächlich ist es oft gar nicht einfach festzustellen ob da beim Scan was schiefgelaufen ist, oder ob die Vorlage schuldig ist. Am einfachsten ist es ein oder zwei standardisierte Targets beim Scanauftrag beizulegen. Mit einem IT8-Target kann man feststellen ob der Anbieter farbrichtig scannt. Um die Auflösung zu bestimmen ist ein USAF 1951 Target ideal. Manche Anbieter weigern sich übrigens diese Targets mitzuscannen, das spricht dann auch für sich.

Gibt es irgendwo einen Vergleichstest von Scandiensten?

Wir haben für das c’t Sonderheft Digitale Fotografie in 2011 einen umfangreichen Test von Scandiensten durchgeführt. In Ausgabe 04-2011 kann man das im Detail nachlesen, die originalen Scandateien gibt’s auf der Heft-DVD. Da ist die ganze Bandbreite abgedeckt, vom CMOS-Billigscan bis zum High-End Trommelscan. Soweit ich weiß, hat keine andere Publikation in der jüngeren Vergangenheit Scandienste getestet. 

Haben Sie noch einen Tipp zum Abschluß?

Ja, und zwar würde ich nie einen größeren Scanauftrag abgeben, ohne mir ein eigenes Bild von den Fähigkeiten des Anbieters verschafft zu haben. Einige Unternehmen bieten verbilligte Probescans, teil sind diese auch umsonst. Das sollte man in Anspruch nehmen. Anhand der Probescans kann man am besten abschätzen wo die Reise später hingeht. 

                                                                                                      (Bangkok, 2012-03-07)

Zur Person

Sascha Steinhoff ist ein IT-Journalist aus Nordrhein-Westfalen. Seit 2004 arbeitet er im Ausland (Irland, Freistaat Bayern, Königreich Thailand) für deutsche und US-amerikanische Auftraggeber. Seine Buchveröffentlichungen zum Thema Scanning für rockynook und dpunkt erreichten jeweils Bestsellerstatus. Seit 2008 schreibt er zudem regelmäßig für Online und Print-Magazine wie das c’t Sonderheft Digitale Fotografie und den heise-Fotochannel

Sein aktuelles Projekt Find-a-Scanservice.de ist der einzige spezialisierte Webkatalog für Scandienstleister. 

 
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