Scandienstleistungen nach Asien outsourcen

Wenn Budgets klein und der Zeitplan nicht allzu knapp kalkuliert ist, ist Outsourcing eine naheliegende Alternative. Arbeitsintensive Tätigkeiten wie das Scannen von Negativen bieten sich dafür an. Aufgrund der hohen deutschen Löhne lohnt es sich, einmal einen Blick nach Asien zu riskieren. Jens Kronberg ist deutscher Unternehmer und schon seit 11 Jahren in Thailand ansässig.

ScanMagazin: Sie bieten mit dem Scanservice in Chiang Mai eine Dienstleistung an, die sich an Kunden aus Deutschland und anderen europäischen Ländern richtet. Zwischen Berlin und Chiang Mai liegen in Luftlinie immerhin 8.000 Kilometer Entfernung. Warum schicken Ihre Kunden Negative um den halben Erdball?
Jens Kronberg: Der Hauptgrund ist natürlich der Preis. Bei SEA-CN Co., Ltd. kostet ein 4.000 dpi Negativscan im Kleinbildformat nur 9 Cent, das ist sehr preiswert. Im Gegensatz zu deutschen Anbietern in dieser Preisklasse verwenden wir hochwertige Scanner, die Qualität stimmt bei uns trotz des günstigen Preises. Und in dem Preis ist das Drehen der Bilder und das Beschriften der Ordner nach Vorlage schon enthalten. 

Was kostet es denn ein Paket nach Thailand zu verschicken und wie lange sind die Paketlaufzeiten?
Die Kosten hängen vom Gewicht des Paketes ab. Kleinere Sendungen mit 2000-3000 Negativen wiegen beispielsweise etwa 1 Kilo. Das kostet dann als Päckchen ca. 15 Euro. Die Sendung dauert in der Regel 1 Woche bis es bei uns in Chiang Mai ankommt. Sie können Ihre Sendung je nach eigenem Ermessen in der Höhe, wie der Kunde es möchte  versichern lassen. Es ist möglich ein Packettracking zu machen, zumindest  von Europa nach Chiang Mai. Umgekehrt lässt sich die Sendung nur bis zur Landesgrenze (Thailand) verfolgen. Wir können aber mit ruhigem Gewissen sagen, dass in den 11 Jahren unseres Bestehens keine einzige Sendung verloren gegangen ist.

Welche Filmformate verarbeiten Sie in Ihrem Betrieb und welche Scanner kommen bei Ihnen zum Einsatz?
Wir verarbeiten Kleinbild-Negativstreifen, Pocketformate, APS, Minox, Mittel- und Großformate bis 9x12 cm. Wir nutzen hier vor Ort einen High-Capacity Scanner, von NORITSU, den HS-1800 Film Scanner. Der Scanner macht eine automatische Staub- und Kratzerkorrektur. Gerahmte Dias scannen wir übrigens nicht mehr. Bei Dias sind durch die schweren Rahmen die Portkosten sehr viel höher als bei Negativen. Das wurde von unseren Kunden in der Vergangenheit auch kaum nachgefragt. Es besteht jedoch die Möglichkeit uns die Dia-Filmstreifen zu senden, diese digitalisieren wir selbstverständlich.

Wer scannt bei Ihnen im Team? Wieviele Scans können Sie pro Woche durchführen?
Wir haben einen Vollzeit Scan-Operator. Er hat ein abgeschlossenes Universitätsstudium für Fotografie und Webdesign. Da unser High-Capacity Scanner einen hohen Durchsatz erlaubt, können wir bis zu 8.000 Bilder pro Woche scannen. 

Wie ist dann der weitere Ablauf nach dem Scan? 
Wir schicken die DVDs mit den eingescannten Negativen zum Kunden. Wenn dieser die Sendung erhalten hat und sich von der Qualität und dem Ergebnis überzeugt hat, senden wir per Email die Rechnung zum Kunden. Wenn es besonders viele Scans sind, kann es auch eine mobile USB-Festplatte sein. Somit kann der Kunde vor dem Bezahlen die Qualität unserer Arbeit beurteilen. Sobald die Rechnung bezahlt ist, schicken wir dem Kunden die Originale im versicherten und registrierten Paket zurück. 

Wie funktioniert das dann mit der Bezahlung? Überweisen die Kunden in Thai-Baht oder in Euro?
Unsere Preise sind immer Europreise, somit überweist der Kunde auch in Euro. Hier gibt es zwei Varianten. Bei Kleinbeträgen unter 100 Euro, kann er auf ein deutsches Konto überweisen. Bei größeren Beträgen überweist der Kunde auf unser Konto bei der Siam Commercial Bank in Thailand. 

Wie funktioniert das mit den Überweisungen nach Thailand? Ist das per Online-Banking möglich?
Online-Überweisungen nach Thailand funktionieren mit den meisten deutschen Banken nicht. Man muß persönlich zur Bank gehen, sich das entsprechende Überweisungsformular geben lassen, das ausfüllen und die Überweisung dann am Schalter abgeben. Das ist speziell für Unternehmenskunden etwas umständlich, es geht aber derzeit noch nicht anders.  

Auslandsüberweisungen sind im Gegensatz zu Inlandsüberweisungen immer kostenpflichtig. Wer trägt die Kosten der Überweisung?
Sowohl beim Sender als auch beim Empfänger der Überweisung fallen Gebühren an. Hier gibt es generell drei verschiedene Modi: OUR, SHARE und BEN. Bei OUR zahlt der Sender die Gebühren beider Banken komplett, bei SHARE zahlen Sender und Empfänger die Gebühren  ihrer jeweils eigenen Bank und bei BEN zahlt der Empfänger die Gebühren komplett. Unsere Kunden überweisen per SHARE, dann trägt der Kunde die Gebühren seiner Bank und wir übernehmen die Gebühren auf unserer Seite. Erfahrungsgemäß liegen die Überweisungskosten aus Deutschland meist zwischen 5 und 15 Euro. Es hängt aber auch von der Überweisungssumme ab. Im Zweifel daher bei der eigenen Bank nachfragen.

Wie läuft das mit der Umsatzsteuer? Für Unternehmen sind Rechnungen mit ausgewiesener Umsatzsteuer ja wichtig.
Wer von Deutschland aus den Scandienst ordert, zahlt für unsere Leistungen nie Umsatzsteuer, braucht somit auch nichts abzuziehen. Aus thailändischer Sicht ist Deutschland Ausland, somit fällt auf diese Dienstleistung - wie international üblich - keine Umsatzsteuer an. Unsere Kunden bekommen selbstverständlich immer eine ordnungsgemäße Rechnung, somit können Unternehmenskunden die Scankosten in voller Höhe als Betriebsausgaben absetzen. 

Kann ich bei Ihnen auch im Urlaub meine Negative in Chiang Mai persönlich vorbeibringen?
Das geht natürlich. Bezahlen sollten Sie allerdings erst, wenn Sie wieder zuhause in Deutschland sind. Wenn Sie in Thailand bar bezahlen möchten, handelt es sich um einen innerthailändischen Umsatz. Dann müssen 7 % thailändische Umsatzsteuer abgeführt werden.

Welche Rechtsform hat die SEA-CN?
Wir sind eine thailändische Company Limited, das entspricht einer deutschen GmbH. Da wir sehr viele Kunden aus Deutschland haben, ist unser Gerichtsstand in Deutschland, genauer gesagt in Berlin. Wir hatten zwar bisher noch keine rechtliche Auseinandersetzung. Aber sollte es einmal soweit dazu kommen, sind wir für unsere Kunden in Deutschland erreichbar. 

Was ist die kurioseste Erfahrung die Sie mit dem Scandienst gesammelt haben?
Es passiert immer wieder, dass Kunden ihre Original-Filme nach dem Scannen von uns vernichten lassen möchten. Auf ausdrücklichen Wunsch und gegen eine schriftliche Bestätigung machen wir das natürlich, aber verstehen kann ich das nicht so recht. Scans sind zwar praktischer, aber das Original-Negativ hat doch einen eigenen Wert.

                                                                                  (Chiang Mai, 2012-02-27)

Zur Person

Jens Kronberg ist gebürtiger Deutscher und hat auch in Deutschland seine Berufsausbildung absolviert. Den Studiengang an der Handelshochschule Leipzig schloß er als Diplom-Ökonom ab, an der Freien Universität Berlin erlangte er den Abschluß als Diplom-Kaufmann. Anschließend konnte er in internationalen Unternehmen weltweit Berufserfahrung sammeln. 

Seit Anfang 2000 ist er in Chiang Mai, im Norden Thailands selbstständiger Unternehmer. Von hier bietet Jens Kronberg weltweit für Firmen und Privatpersonen im deutschsprachigen Raum Büroservice Dienstleistungen an. 

Zum Portfolio von SEA-CN gehört ein Scanservice für Negativ- und Diafilmstreifen und ein Schreibservice für manuelle Schreibarbeiten, wie Adresseingabe und Datenerfassung. 

 
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