ScanCorner - Digitalisierung in Indien

ScanCorner ist ein Schweizer Unternehmen, das Scandienste in mehreren europäischen Ländern und in Asien anbietet. In Asien, genauer gesagt in Indien, wird auch produziert. Im Interview mit dem ScanMagazin erläutert Unternehmensgründer Eric Schreiber, wie das Konzept funktioniert und was man beim grenzüberschreitenden Outsourcing von Scandiensten beachten sollte.

ScanMagazin: Herr Schreiber, können Sie unseren Lesern kurz das Unternehmen vorstellen?
Eric Schreiber: ScanCorner ist ein Outsourcing-Dienstleister, der alle gängigen Foto- und Videoformate der letzten 60 Jahre professionell digitalisiert. Neben den verbreiteten Kleinbildformaten in Form von Dia-Positiven und Negativstreifen scannen wir auch Mittelformate, APS und Fotoabzüge bis A4 und ganze Fotoalben. Weiter digitalisieren wir Audio-Kassetten, VHS, Video 8, Super 8, Mini DV und weitere Video-Formate. Unser Scan-Center betreiben wir in der indischen IT-Metropole Hyderabad. Die Aufträge müssen jedoch nicht nach Indien versendet werden, sondern werden in lokalen Büros gesammelt, wo kompetente Mitarbeiter die Kunden auch in Deutsch beraten können. 

In welchen Ländern unterhält ScanCorner derzeit Niederlassungen? 
Neben Indien sind wir derzeit in Deutschland, der Schweiz, Spanien und Australien tätig, wobei wir uns bis jetzt vor allem auf die Schweiz konzentriert haben. Seit Mai 2012 sind wir auch in Deutschland, wo wir eine Niederlassung in Stuttgart gegründet haben. 

Indien ist ja nicht der einzige aufstrebende Markt in Asien. Warum scannen Sie in Indien und nicht in China?
In der Tat war es mein ursprünglicher Plan, den Service in China aufzubauen. Als ich dann herausfand, dass Negative auf der grauen Liste der Exportgüter standen, hab ich diesen Plan aufgegeben. In China unterliegen bestimmte kulturelle Güter wie beispielsweise alte Dias und Negative einem Exportverbot. Das kann also zu Problemen an der Grenze führen, weil es für die Zöllner sehr schwierig ist herauszufinden, ob es sich hier um private Erinnerungen oder um kulturell wichtige Bilder handelt, die im Land bleiben müssen. In Indien profitieren wir heute von zahlreichen Vorteilen und ich meine damit nicht nur die Lohnkosten. Es ist beispielsweise relativ einfach, Leute für den Aufbau unserer Plattform, im IT Bereich zu finden. Wir haben in  Hyderabad einen verläßlichen Partner, der nicht nur die hohen Europäischen Qualitätsansprüche versteht, sondern auch in der Lage ist, die logistischen Herausforderungen zu meistern.

Die Endkunden-Preise variieren von Land zu Land, obwohl der Scanservice immer der Gleiche ist. Welchen Grund hat das? 
In der Tat ist z.B. unser Preis für ein Standard 35mm Negativ im Standard-Service in Deutschland 40% günstiger als in der Schweiz. Dies liegt zum einen an den unterschiedlichen Kosten für den logistischen Aufwand in der Schweiz, aber natürlich auch daran, dass wir uns an den Marktpreisen ausrichten. Es steht einem Kunde frei, uns seine Originale grenzüberschreitend zuzustellen doch gibt es gewisse Risiken beim Zoll, welche der Kunde in diesem Fall selber trägt. Konkret kommt es zuweilen zu Inhaltskontrollen und Verspätungen und es ist wegen des Öffnens der Pakete möglich, dass Feuchtigkeit zu den Originalen gelangt. 

Welche Garantien habe ich als Kunde, dass meine Dias tatsächlich ankommen?
Mit FEDEX Priority verwenden wir einen sehr zuverlässigen Logistik-Service und wissen, dank Sendeverfolgung, stets wo unsere Aufträge sind. Wir garantieren zudem eine Entschädigung von EUR 500, sollte eine Sendung auf dem Transportweg oder in unserer Obhut verloren gehen. So viel ich weiss, sind wir die einzige Scan-Firma die so etwas tut - die meisten ersetzen nur den Materialwert. Zum Glück ist so etwas bis jetzt aber noch nie vergekommen.  

Wie ist der weitere Ablauf wenn die Dias dann in Indien angekommen sind?
Nach dem Trennen der Aufträge kümmert sich jeweils ein Mitarbeiter um einen und nur um einen Auftrag, welcher zur Sicherheit zuerst gewogen und in Auslege-Ordnung photographiert wird.  Anschliessend werden die Bilder gereinigt und dann manuell gescannt. Ist ein Auftrag abgeschlossen, erstellen wir eine Galerie und senden dem Kunden eine E-Mail mit einem persönlichen Link auf die Galerie. Nun kann der Kunde sich davon überzeugen, dass sein Material vollständig und zu seiner Zufriedenheit gescannt worden ist. Er kann Korrekturen anfordern, oder aber direkt bestätigen, dass wir die Bilder auf DVD brennen können. Erwähnen möchte ich auch noch, dass Datensicherheit bei uns sehr ernst genommen wird. Scan-Operatoren haben deswegen beispielsweise keinen Internet-Zugriff.

Welche Scanner verwenden Sie? 
Wir scannen mit Nikon 5000 und 9000 ED sowie mit dem Epson V700. Diese Scanner werden abhängig vom Auftrags Service-Level, vom Format und von unserer Auslastung eingesetzt. Beim Scanvorgang selbst passen wir jeweils die Einstellungen bezüglich Farben, Licht, Körnigkeitsminimierung und weiterer Korrekturen individuell an, d.h. für jedes Bild einzeln, nicht mittels Stapelscan. Bei Standard und Premium-Aufträgen werden anschliessend die Bilder einem Prozess unterzogen, den wir Basis-Restauration nennen. Hierbei wird jedes Bild während einiger Minuten begutachtet und von Kratzern befreit, was v.a. bei Schwarzweiss-Bildern sehr wichtig ist. Zudem werden rote Augen entfernt, unnötige Ränder abgeschnitten und die Bilder in die richtige Position gedreht. Aufpreise für Spezialfälle wie einzelne Negative, Entfernen von Klebestreifen, etc. gibt es bei uns nicht.

Wie lange dauert es im Schnitt, bis der Kunde seine Originale wieder hat?
Durchschnittlich braucht ein Auftrag 6-8 Wochen vom Eingang bis zum lokalen Rückversand an den Kunden. Wir versenden regelmäßig Statusmeldungen, der Kunde weiß also immer was gerade mit seinen Bilder passiert. Sind die Bilder erst einmal gescannt, sind viele Kunden an den Originalen übrigens gar nicht mehr interessiert. In diesem Falle verschicken wir lediglich die DVD. Bei der Bestellung gibt der Kunde an, ob er seine Originale zurück möchte. Ist dies der Fall, verlangen wir im Standard-Service eine Gebühr von 15% des Auftragwertes. Die Gebühren für den Rückversand sind die einzigen Zusatzkosten, die wir dann noch verrechnen.

Indien funktioniert in vielen Bereichen ja etwas anders als wir das zumindest in Westeuropa gewöhnt sind. Wie stellen Sie sicher, dass die indischen Scans auch einem deutschen Kunden gefallen?
In der Tat hatten wir am Anfang ein Problem mit der Vorliebe der Inder für das Bunte. Damit diese die Bilder nicht farblich überkorrigieren und damit die Scans einem gewissen Standard entsprechen, durchlaufen neue Mitarbeiter bei uns ein Training. Zum einen korrigieren wir die Bilder individuell, zum anderen muss darauf geachtet werden, dass die Korrekturen einer Bildserie nicht unterschiedlich ausfallen. 

Gibt es für Kunden eine Möglichkeit Ihren Service vorab auszuprobieren?
Wer die Qualität unserer Leistungen testen will, kann bei uns kostenlos 15 Fotos, Dias oder Negative digitalisieren lassen. Der Kunde erhält die gescannten Bilder per E-Mail. Dafür muss man lediglich auf unserer Bestellseite den Gutschein-Code TRYOUT eingeben.

                                                                                                         (2012-06-30)

Zur Person

Eric Schreiber hat in der Schweiz sein Diplomstudium in Elektrotechnik an der Eidgenösischen Technischen Hochschule (ETH) abgeschlossen. Anschliessend arbeitete er in internationalen Unternehmen als Ingenieur, Projektleiter und Technologie-Manager. 2009 erlangte er zusätzlich einen MBA-Abschluss an der China-Europe-International-Business School (CEIBS), wo auch die Idee zu ScanCorner entstand. Seit 2011 lebt er mit seiner Frau und zwei Kindern in Guangzhou, im Süden von China. 

 
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