Interview: Worauf man beim Abfotografieren von Dias achten sollte

Die meisten Digitalisierungsdienste setzen für die Bilderfassung handelsübliche Scanner ein. Das Digitalisieren mit der Spiegelreflexkamera wird zwar in Foren viel diskutiert, im professionellen Bereich genießt es aber eher einen Exotenstatus. Während es in Deutschland hunderte Scanservices gibt, gibt es mit fotofab.de nur einen einzigen professionellen Anbieter, der per DSLR digitalisiert. Leopold Hiersche erläutert im Interview, welche Gründe das hat und warum er auf eine Lösung setzt, die man nicht kaufen kann.

ScanMagazin: Die meisten Digitalisierungsdienste setzen für die Bilderfassung handelsübliche Scanner ein. Bei fotofab.de ist das anders: Dias und Negative werden nicht gescannt, sondern mit der DSLR abfotografiert. Warum ziehen Sie für diese Aufgabe die DSLR einem Filmscanner vor?
Leopold Hiersche: Die DSLR ist ca. 50 mal schneller! Durch diesen Zeitvorteil können wir für jedes Dia individuelle Einstellungen wählen, hohe Qualität sichern und trotzdem kostengünstig produzieren.

Können Sie kurz den technischen Aufbau beschreiben und welche Geräte Sie verwenden?
Wir verwenden eine Canon EOS 5D mit einem 150mm Makroobjektiv, die an den Stativarm eines Reprostatives montiert ist. Die Beleuchtung ist eine Eigenentwicklung und wird nicht publiziert.

Es gibt im Handel eine Reihe von fertigen Reproduktionsvorrichtungen - wie Umbausätze für Diaprojektoren, Diakopiervorsätzen oder spezielle Repro-Sets - warum haben Sie trotzdem ein eigenes System entwickelt?
Alle diese Vorrichtungen liefern bei weitem nicht die gewünschte Qualität. Bei den Fertig-Lösungen wird die Vorlage direkt von hinten angestrahlt. Das betont Kratzer und Staub auf dem Dia. Deswegen haben wir uns entschieden ein eigenes System zu entwickeln.
 
Kann man das System kaufen, oder lizenzieren?
Für Deutschland ist die Lizenz schon vergeben, für andere Länder wäre eine Lizenzierung an einen Unternehmer noch möglich. 
 
Kratzer und Staub sind beim Diascannen eine echte Herausforderung. Ohne Digital ICE oder andere Korrekturverfahren muss man viel Zeit in die Nachbearbeitung investieren. Wie lösen Sie dieses Problem?
Mikrokratzer, feiner Staub und sogar Fingerabdrücke werden durch die spezielle Ausleuchtung nicht abgebildet. Grober Staub wird vorher mit einem Anti-Static-Filmcleaner abgesaugt.
 
Zu geringe Schärfentiefe ist gerade bei hochwertigen Filscanner ein immer wiederkehrendes Problem. Wie sieht es mit der Schärfentiefe beim Abfotografieren mit dem Makroobjektiv aus? Reicht sie, um auch gewölbte Vorlagen scharf abzubilden? 
Dank des Objektivs sind wir den Scannern bei der Schärfentiefe klar überlegen, Wölbungen von bis zu 4 Millimetern können ohne sichtliche Beeinträchtigung verarbeitet werden.
 
Für welche Vorlagentypen und Filmformate eignet sich das Verfahren? E-6 Farbdias zeigen Sie auf der Homepage ja. Wie sieht es mit Kodachrome, Farbnegativen und SW-Film aus?
Mit dem Verfahren können alle Filmformate und Filmtypen digitalisiert werden und es ist egal ob es sich um vereinzelte Vorlagen handelt, diese im Rahmen oder auf einer Rolle sind. Der Zustand der Vorlagen wird von uns nicht verändert.

Verabeiten Sie auch Auflichtvorlagen?
Auflichtvorlagen werden von uns nicht abfotografiert, die spezielle Beleuchtung ist dafür nicht geeignet.

Welche maximale Auflösung ist möglich?
Das USAF-1951 Test-Target bescheinigt uns eine Auflösung von ca. 3200 DPI.
 
Welche prinzipiellen Nachteile hat das System, bzw. wo sehen Sie für die Zukunft noch Verbesserungsmöglichkeiten?
Durch die Spiegelbewegung in der DSLR werden gelegentlich Partikel generiert, die auf den Sensor fallen und dann auf dem Bild abgebildet werden. Leider wird das nicht immer sofort entdeckt und es müssen ganze Serien nachgearbeitet werden. Die Säuberung des Sensors ist kompliziert und zeitaufwendig. Eine DSLR mit Vollformatsensor aber ohne Spiegel wäre die Lösung. Wir haben die Hoffnung, dass dieser Kameratyp in naher Zukunft zur Verfügung steht.
 
Gibt es irgendetwas, worauf man beim Abfotografieren besonders achten muss?
Gute Qualität ist nur mit Vollformatsensor möglich. Ursache für schlechte Bildqualität kann auch ein nicht stabilisierter Stativarm sein. Die Kamera gerät dann bei der Aufnahme, durch die Spiegelbewegung, in Schwingungen.

Bei den Scannern ist das Verkaufsargument ja oft der vollautomatische Stapelbetrieb. In der Praxis muss man aber auch da regelmäßig eingreifen, um ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen. Kann man das Abfotografieren denn vollständig automatisieren?
Theoretisch ginge das bei gerahmten Dias. Wir machen das aber nicht, denn für eine optimale Qualität sollte man schon ab und zu manuell eingreifen. Wie gesagt, bei unserem System ist das ja eine Sache von wenigen Sekunden, eine andere Einstellung auszuprobieren. 

                                                                                                        (2009-08-06)

Zur Person

Leopold Hiersche ist Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik und seit 36 Jahren in der Halbleiterindustrie (Telefunken, Hitachi, Advanced Micro Devices) tätig. Er wohnt in Landshut und fotografiert seit 1997 digital. In 2006 hat er sich mit 55 Jahren den Lebenstraum von der Selbständigkeit erfüllt. Schon bei dem ersten Auftrag, der Digitalisierung von 200 Bildern, fiel ihm auf wie zeitaufwendig und mühsam die Arbeit mit dem klassischen Filmscanner ist. Auch war er mit der erzielten Qualität nicht zufrieden. Daraufhin entwickelte er eine eigene Digitalisierungsmethode per DSLR. Nach einem Jahr Entwicklungsarbeit war das Verfahren ausgereift und er lizenzierte es in Deutschland exklusiv an die Firma Fotofab. Außerdem hat er mit www.card-recovery.biz ein Unternehmen gegründet, das sich mit der Datenrettung auf Speicherkarten beschäftigt.

 
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